Das Unternehmen Dyneon soll die Bodenmesswerte herausgeben, aufgrund derer das PFAS-Belastungsgebiet im Landkreis Altötting ausgeweitet worden sei: Das fordert die Bürgerinitiative Netzwerk Trinkwasser (BINT) und hat einen entsprechenden Antrag an das Landratsamt Altötting gestellt. Das Unternehmen Dyneon verweigere die Herausgabe und verweise auf Betriebs- und Geschäftsgeheimnisse, so die BINT. 3M als ehemaliges Mutterunternehmen von Dyneon bestätigt der Redaktion auf Nachfrage: Man halte „eine Weitergabe von Rohdaten derzeit nicht für angemessen“. Dennoch könnten die Daten bald veröffentlicht werden. 
Aufgrund der Bodenmesswerte sei das PFAS-Belastungsgebiet im Landkreis Altötting deutlich ausgeweitet worden, heißt es von Seiten der BINT: Es umfasse jetzt rund 380 Quadratkilometer, etwa zwei Drittel des Landkreises Altötting. Die Daten seien entscheidend, um Gesundheitsrisiken bewerten zu können, so die BINT in ihrer Pressemitteilung – aber ebenso, um die landwirtschaftliche Nutzung, den Immobilienmarkt, die Trinkwassergewinnung sowie die Entsorgung belasteter Böden zu bewerten. 

Gesundheit, Eigentum, wirtschaftliche Zukunft

„Die aktuelle Unklarheit über Ausmaß und Abgrenzung der Belastung wirkt sich nach Einschätzung der BINT bereits auf wirtschaftliche Entscheidungen im Landkreis aus“, argumentiert die Bürgerinitiative: Die unklare Datenlage erschwere und verzögere Projekte, Investitionen und Grundstücksverkäufe. Auch die geplante Deponie für PFAS-belastetes Erdreich beruhe auf diesen Messwerten. „Es geht um Gesundheit, Eigentum und wirtschaftliche Zukunft“, so die BINT. Die Daten lägen dem Landratsamt vor – dieses gebe sie aber nicht an die BINT heraus, mit Verweis auf Betriebs- und Geschäftsgeheimnisse. Die Behörde prüfe jedoch den Fall.
Das Unternehmen Dyneon hat seit einigen Tagen – nämlich seit 30. Juni – einen neuen Eigentümer, die Capmont Group. Zuvor war Dyneon ein Tochterunternehmen der Firma 3M, unter deren Regie die Messwerte, für deren Freigabe sich die BINT einsetzt, erhoben wurden. Für die Bodenmesswerte und den Umgang damit ist 3M trotz Eigentümerwechsel weiterhin der richtige Ansprechpartner, wie auch die Pressestelle des Chemieparkbetreibers InfraServ Gendorf der Redaktion bestätigt.
Der Antrag der BINT, Zugang zu den Bodenmesswerten zu bekommen, sei beim Landratsamt eingegangen, und dieses sei auch dafür zuständig, ihn zu bewerten, informiert 3M auf Nachfrage. „Die angeforderten Informationen betreffen interne Prozesse und geschütztes Know-how sowie Rohdaten aus Probenahmen, die im entsprechenden technischen Kontext bewertet werden müssen“, so 3M weiter. Ein akkreditierter Bodensachverständiger führe derzeit eine detaillierte Bodenuntersuchung durch. Aus diesen Gründen halte man eine Weitergabe von Rohdaten derzeit nicht für angemessen, heißt es von 3M. 
Das Unternehmen verweist indes auf den Abschlussbericht „Detailuntersuchung der PFOA-Belastungen in Boden und Grundwasser im Bereich Gendorf“ von 2018, der öffentlich zugänglich ist – unter anderem als PDF-Datei auf der Website von 3M. Detailliert auf die PFOA-Belastung hin untersucht haben die Verfasser des Berichts Boden und Grundwasser im Landkreis auf einer Fläche von etwa 200 Quadratkilometern, wie diesem zu entnehmen ist.
Man arbeite eng mit den zuständigen Behörden zusammen, um zu einem gemeinsamen Verständnis der komplexen Situation beizutragen, teilt 3M mit und verweist darauf, dass das Gebiet über mehrere Jahrzehnte industriell genutzt wurde, und dass es in diesen Jahrzehnten dort mehrere Eigentümer und Nutzer gab. 3M habe in seiner Branche eine Vorreiterrolle eingenommen: Das Unternehmen habe bereits vor über 20 Jahren die Herstellung von PFOS und PFOA eingestellt. „Ende 2025 hat 3M den Ausstieg aus der weltweiten PFAS-Produktion abgeschlossen, einschließlich der Produktion am ehemaligen Standort Gendorf“, so 3M.

Die Heimatzeitung hat sich auch beim Landratsamt zum Antrag der BINT auf Freigabe der Daten erkundigt. Dieses bestätigt, dass ihm die Bodenmesswerte vorliegen. Außerdem bestätigt die Behörde, dass einer Weitergabe der Messdaten an die BINT von Seiten Dyneons nicht zugestimmt werde. Das Unternehmen berufe sich dabei auch auf Artikel 8 des Bayerischen Umweltinformationsgesetztes. Zwar hat laut diesem Gesetz jede Person Anspruch auf freien Zugang zu Umweltinformationen, doch Artikel 8 schränkt diesen Anspruch unter anderem zum Schutz von Betriebs- und Geschäftsgeheimnissen ein.
Dyneon argumentiert laut Auskunft des Landratsamtes damit, dass durch die Weitergabe der Daten insbesondere Rückschlüsse auf vertrauliche betriebsinterne Produktionsprozesse, eingesetzte Stoffe oder die Betriebsführung der Anlage möglich seien. „Dies wurde seitens des Landratsamts geprüft, mit dem Ergebnis, dass der Herausgabeanspruch als gerechtfertigt angesehen wird“, teilt die Behörde mit: In Kürze werde das Landratsamt daher einen Bescheid gegen die Firma Dyneon zur Herausgabe der Daten erlassen. Dagegen könne das Unternehmen dann freilich noch klagen – ob es dies tun werde, wisse man nicht.

Weitere Messungen sind notwendig

Die Bodenmesswerte, die die BINT angefragt hat, stammen laut Landratsamt aus der PFOA-Detailuntersuchung von 2018. Diese Messwerte habe man nun mit einem aktualisierten Analyseverfahren untersucht. Im Landratsamt verfolge man das Ziel, das PFOA-Belastungsgebiet neu festzusetzen. Bis es soweit sei, würden im gesamten Landkreis Altötting die Regelungen des Bodenmanagementkonzepts gelten, das das Landratsamt erarbeitet hat und das praktikable Regeln für den Umgang mit PFOA-belastetem Boden im ganzen Landkreis enthalte, teilt die Behörde mit.
Indem man die Rückstellproben aus der Studie von 2018 analysierte, habe man das neue Belastungsgebiet grob einschätzen können. Endgültig abgrenzen könne man es auf Grundlage dieser Proben jedoch nicht. „Da die vorliegende Datenmenge hierfür nicht ausreichend ist, sind weitere Messungen notwendig“, teilt das Landratsamt mit. Entscheidend sei aus Sicht der Behörde aber im Moment nicht die genaue Festlegung eines Belastungsgebiets, „sondern dass wir mit dem Bodenmanagementkonzept wissen, wie mit Aushub umzugehen ist“. Das Landratsamt Altötting hat dieses Bodenmanagementkonzept Ende April vorgestellt (die Heimatzeitung berichtete) . – smi
Quelle:  Alt-Neuöttinger Anzeiger vom 09.07.2026
Share This