BINT Bürgerinitiative Netzwerk Trinkwasser

„…im Rahmen des Erwarteten.“

PFOA Blutmonitoring für Kleinkinder veröffentlicht

Eltern von Kindern unter sieben Jahren, die in den PFOA-betroffenen Gemeinden des Landkreises Altötting leben, haben es nun schwarz auf weiß, mit welchen PFOA-Werten das Blut ihrer Kinder in den nächsten Jahren belastet ist. Da nur Eltern insgesamt 47 Kindern die Blutuntersuchung zugemutet hatten, sagt dies nichts aus, wieviele Kinder in den betroffenen Gemeinden und Städten wirklich mit einer Mehrbelastung von PFOA leben müssen. Die Dunkelziffer liegt sicherlich deutlich höher.

Die Bewertung durch das Schreiben des Landratsamtes  „…liegt im Rahmen des Erwarteten.“ klingt eher verharmlosend bzw. zynisch, als dass sie eine Aussage über die jeweilige persönliche Gefährdung zuläßt.

Den Eltern war vom Gesundheitsamt angeboten worden, nach einer Beratung bei ihrem/r Haus- oder Kinderarzt/-ärztin den Blutgehalt ihres Kindes an PFOA und weiteren perfluorierten Substanzen im Zeitraum vom 01. November bis zum 15. Dezember 2018 kostenfrei messen zu lassen. Interesse zeigten daraufhin auch die Eltern von sieben Kindern im Alter zwischen sieben bis acht Jahren. Sie konnten ebenfalls von dem Angebot Gebrauch machen. Insgesamt wurde das Blut von 47 Kindern im Alter zwischen drei Monaten und acht Jahren untersucht.Die Ergebnisse der Analysen liegen nun vor. Sie liegen im Rahmen des Erwarteten. Aufgrund der zurückliegenden Belastung des Trinkwassers wurden im Blut der Kinder höhere Gehalte an PFOA nachgewiesen als bei Kindern aus Regionen ohne eine PFOA-Quelle (z. B. München). Trotz der erhöhten Werte besteht aber nach derzeitigen wissenschaftlichen Erkenntnissen keine Gesundheitsgefahr. Dies wurde den Eltern bereits mitgeteilt. Das Gesundheitsamt steht den Eltern jederzeit für ein persönliches Beratungsgespräch zur Verfügung.

Alle anderen perfluorierten Substanzen wurden gar nicht bzw. nur in einigen Proben in geringen Konzentrationen nachgewiesen. Die Konzentrationen an ADONA, dem PFOA-Ersatzprodukt, lagen für alle Kinder unter der Bestimmungsgrenze des analytischen Verfahrens.

Der Mittelwert des PFOA-Gehaltes in den 47 Blutproben aus dem Belastungsgebiet des Landkreises Altötting lag bei 20,40 µg/l Blutplasma. Einzelergebnisse wurden aus Datenschutzgründen nur den jeweiligen Eltern mitgeteilt. Im Vergleich zu den Kindern lagen die mittleren PFOA-Konzentrationen in der zurückliegenden Hauptuntersuchung bei Personen im Alter zwischen 7 und 85 Jahren bei 24,64 µg/l.

Zu Messungen von PFOA im Blut von Kindern liegen weltweit nur wenige Ergebnisse vor. So wurde bei Kindern aus München im Alter von 6 Monaten Gehalte im Mittel von 8,0 µg/l und im Alter von 19 Monaten von 5,1 µg/l gefunden. Auf den Färöer-Inseln wurden mediane Gehalte von 8,2 µg/l (11 Monate), 6,1 µg/l (18 Monate) und 3,8 µg/l (60 Monate) gemessen. In einer umfangreichen Untersuchung im Umfeld eines PFOA-Produzenten in den USA (mit hohen Trinkwasserbelastungen) lagen die Mittelwerte bei 33,7 µg/l (24 Monate), 42,8 µg/l (36 Monate), 38,0 µg/l (48 Monate), 37,3 µg/l (60 Monate), 39,1 µg/l (72 Monate) und 37,1 µg/l (84 Monate).

Der Mittelwert des PFOA-Gehaltes in den 47 Blutproben aus dem Belastungsgebiet des Landkreises Altötting überschreitet den HBM-I-Wert von 2 µg/l Blut. Dieser Wert stellt nach Einschätzung der Human-Biomonitoring-Kommission am Umweltbundesamt eine Grenze dar, ab der vermehrte Vorsorgeanstrengungen angezeigt sind: Die Ursache der Belastung sollte ermittelt und minimiert werden. Im vorliegenden Fall ist dies durch die Absenkung des PFOA-Gehaltes im Trinkwasser bereits geschehen.

Maßnahmen:

Nach wie vor liegen von Seiten der Wasserversorger keine Entschuldigungen gegenüber den Betroffenen vor, dies obwohl an verschiedenen Brunnern seit 2007 PFOA-Werte ermittelt werden mussten.  Eine wirksame und sinnvolle medizinische Maßnahme zur Beschleunigung dieses Prozesses ist derzeit nicht bekannt. Vorrangig ist die Sanierung des Trinkwassers als Hauptquelle mit der technischen Maßnahme eines Aktiv-Kohlefilters.

Da PFOA sich im Körper nicht verändert und nur langsam mit einer Halbwertszeit von ca. drei Jahren wieder ausgeschieden wird, nimmt die Abnahme der Blutwerte längere Zeit in Anspruch. Laut Landratsamt/Gesundheitsamt ist damit zu rechnen, dass sich die PFOA-Werte in dem Belastungsgebiet des Landkreises Altötting im Verlauf der kommenden Jahre an die übliche Hintergrundbelastung angleichen werden.

Weitere Informationen auf der Homapage des Landesamts für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit

https://www.lgl.bayern.de/gesundheit/arbeitsplatz_umwelt/chemische_umweltfaktoren/perfluorierte_substanzen_altoetting_kleinkinderuntersuchungen.htm

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