Hoher Besuch aus Berlin und München – Ortstermin zum Thema
PFOA mit SPD Politikern Florian Pronold und Florian von Brunn

Am 24.Juli hatte die BINT erstmals die Gelegenheit, das Thema PFOA ausführlich mit Vertretern der Kommunen und des Landkreises sowie mit Landtagsabgeordneten und einem Vertreter des Bundesumweltministeriums zu diskutieren.
Zu dem Treffen eingeladen hatten der SPD Landtagsabgeordnete für Mühldorf Günther Knoblauch und der Umweltexperte der SPD-Landtagsfraktion Florian von Brunn. Ihnen war es gelungen, den Parlamentarischen Staatssekretär im Bundesumweltministerium Florian Pronold für einen Ortstermin in Burgkirchen zu gewinnen. Der SPD-Bundespolitiker wollte sich unmittelbar über die PFOA-Problematik informieren.

Zunächst marschierte die 24-köpfige Teilnehmergruppe zum Alzufer in der Nähe von Gendorf, an eine Stelle mit Blick auf den Industriepark. Dieser Ort, mit den chemischen Anlagen im Hintergrund, war auch die Kulisse des von der Abendschau des Bayerischen Rundfunks aufgezeichneten Fernsehberichtes. Gleich zu Beginn kam es zu einem verbalen Schlagabtausch zwischen dem Altöttinger Landrat Erwin Scheider und Vertretern der BINT. Holger Lundt erinnerte daran, dass die Empfehlung der Trinkwasserkommission zur Verringerung der PFOA-Belastung (Minimierungsgebot) von den Behörden in Bayern jahrelang ignoriert wurden. Im Gegensatz dazu hätte man z.B. in Nord-Rhein-Westfalen diese Vorgaben sehr ernst genommen.

Frank Bremauer argumentierte, dass der Landrat nach der Alzvergiftung 2006 überfordert gewesen sei, da er sich primär um das Bild des Landkreises in der Öffentlichkeit sorgte anstatt um die Gefahren für Umwelt und Mensch. Der so attaktierte Landrat ging direkt zum Gegenangriff über und stellte die Glaubwürdigkeit der Umweltaktivisten der BINT in Frage, weil einige von ihnen Sport-Funktionskleidung trugen, die fluorchemisch behandelt sei. Neben diesem populistischen Versuch, von den eigenen Fehlern abzulenken, konnte der Landrat keine Sachargumente einbringen um die Vorwürfe der BINT Vertreter zu entkräften. Über diese Konfrontation wurde auch von der Abendschau berichtet. Der wesentlich produktivere Teil des Termins, das anschließende zweistündige Gespräch aller Beteiligten im Bürgerzentrum in Burgkirchen, ist dagegen nicht medial dokumentiert. Die so aufregend begonnene Konfrontation wandelte sich zur ersten echten überparteilichen Diskussion der vom PFOA-Skandal betroffenen Gemeinden und des Landratsamtes mit der BINT.

Erörtert wurden von den Juristen am runden Tisch die rechtlichen und politischen Verhandlungsmöglichkeiten, die Industrie bei der Finanzierung der Trinkwassersanierung mit in die Verantwortung zu holen. Das für die BINT als Vertreter der Betroffenen wichtigste Thema waren die jüngsten Irritationen durch widersprüchliche Aussagen von Experten hinsichtlich des gesundheitlichen Gefährdungspotentiales von PFOA/PFOS. Alle, die die Stellungnahme des Bundesumweltamtes zu möglichen Folgen der PFOA Belastung gelesen hatten, wunderten sich über die Aussagen des Toxikologen Prof. Dr. Fromme vom bayerischen Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) hier im Landkreis anlässlich der Informationsveranstaltungen nach der Bekanntgabe der Blutmonitoringwerte. Wesentliche vom Bundesumweltamt angeführte Gefährdungen, zum Beispiel Fertilitätsstörungen, hatte der Professor aus Erlangen in seinen Ausführungen unerwähnt gelassen.

Die unterschiedlichen Bewertungen von Bundesumweltamt und LGL verunsichern die Bürger.

Angesprochen wurde auch, dass es sinnvoll sei klare Grenzwerte zu definieren. Staatsekretär Pronold erklärte sich bereit, in Berlin die Notwendigkeit aufzuzeigen, einheitliche Aussagen der Behörden über die Gefährlichkeit von PFOA zu erhalten! Aus Sicht der BINT war diese Zusage wesentliches Ergebnis der kleinen Konferenz. Und noch etwas haben wir positiv registriert: die SPD-Vertreter, sozusagen die Gastgeber, haben auf unaufdringliche, ja besonders ruhige und besonnene Weise ihre Kompetenz gezeigt und diesen Termin ermöglicht.

Herzlichen Dank.

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