Es braucht Messungen flächendeckend.

Das wissen wir mittlerweile alle: PFOA wird in der Natur nicht abgebaut! Es bleibt bestehen und verteilt sich lediglich weiter – zuerst in der Abluft, dann im Boden und schließlich im Grundwasser. Die große PFOA-Bodenstudie von 2018 beschreibt dieses Verhalten eindeutig.Und PFOA bindet sich dabei an humusreiche Oberböden. Dort reicherte es sich über Jahrzehnte an und sickert seither langsam in die Tiefe. Die Prognose der Studie: Die Werte im Grundwasser werden bis 2030 steigen und die nächsten Jahrzehnte auf hohem Niveau bleiben. Die Internationale Agentur für Krebsforschung (IARC) der Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat PFOA im Jahr 2023 von der Kategorie „möglicherweise krebserregend“ in die höchste Kategorie Gruppe 1 krebserregend hochgestuft.

Auch die aktuellen Messwerte im Stadtgebiet Altöttings erregen unsere Besorgnis. Am Anorganaplatz wurde fast das Sechsfache des zukünftigen Prüfwertes für den Belastungspfad Boden-Mensch gemessen. Für die wenigen unter uns, die sich damit beschäftigen, ist das keine Überraschung, sondern das erwartbare Ergebnis. Dass die Sandkästen „sauber“ sind, ist kein Argument für eine Entwarnung, sondern eine physikalische Selbstverständlichkeit. Sand ist mineralisch und wird zudem regelmäßig ausgetauscht – dort kann man keine Altlasten finden. Solche Messungen als Erfolg zu verkaufen, ist Augenwischerei.

Entscheidend ist das Erdreich daneben, das seit Jahrzehnten dort liegt. Das beschreiben die Messungen am Anorganaplatz. Besonders brisant dabei ist: Das Stadtgebiet selbst wurde in der 2018er-Studie gar nicht beprobt; die damalige Abgrenzung beruhte auf Modellen, nicht auf Fakten. Man hat damals bewusst oder unbewusst die Augen vor der Stadtgrenze verschlossen. Dass man nun in Pleiskirchen Spielplätze untersucht, während die Belastungszone westlich der Stadt Richtung Teising weiterhin ein weißer Fleck auf der Landkarte bleibt, ist so, als würde man im dichten Nebel fahrend behaupten: „Nur weil wir keinen Gegenverkehr sehen, lasst uns ruhig überholen.

Die eigentliche positive Nachricht dieses Berichts verdanken wir nicht den Behörden, sondern der Initiative vom Umweltreferenten des Stadtrates und BINT-Vorstands Toni Dingl: Dass das auf dem Stadtgebiet gewachsene Gemüse unbelastet ist, ist eine echte Erleichterung!

Die Menschen in Altötting haben ein Recht auf vollständige Transparenz und konsequente Vorsorge statt beruhigender Teilinformationen über saubere Sandkästen. Wir brauchen endlich flächendeckende Messungen, die sich an der tatsächlichen Ausbreitung der vom Landratsamt genehmigten PFOA-Abluft orientieren und nicht an Modellgrenzen. Und eine Bemerkung noch zur graphischen Gestaltung der Belastungskarten: Die belasteten Flächen sind in verschiedenen grünen Farbtönen gehalten. Damit niemand auf die falsche Idee kommt alles sei im grünen Bereich empfiehlt die BINT rote Farben!


Frank Bremauer
Vorsitzender BINT e.V.
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